14° 13' 30" O, 52° 4' 28" N - oder: Wo zum Teufel liegt eigentlich Niewisch?

niewisch1Hinter diesen Koordinaten versteckt sich - irgendwo auf halber Strecke zwischen den beschaulichen Dörfern Ranzig und Shadow - der Ort Niewisch in der Niederlausitz, direkt am Rande des schönen Schwielochsees gelegen. Oder ein wenig globaler geschildert: auf halber Strecke zwischen Berlin und Cottbus im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg. Für alle, deren Geografiekenntnisse an der Ex-Grenze zur Ex-DDR aufhören: hier ist der Link zu Google Maps.

Niewisch, mittlerweile ein Ortsteil der Stadt Friedland, hat ca. 200 Einwohner auf einer Territorialfläche von etwa 9,5 Quadratkilometer, immerhin. Es gibt dort eine denkmalsgeschützte Dorfstrasse mit Dorfkirche. Außerdem einen Campingplatz, einen Badestrand, eine Gaststätte und einen Bootsverleih. Daher gehört Niewisch zu den beliebtesten Zielen für Camping-, Surf- und Segelfreunde in der Region. Habe ich jedenfalls mal gelesen. Ein Reiseführer verweist zudem auf die "Schutzhütte auf dem Weinberg links der Straße" und betont die schöne Aussicht, die man von dort hat. Ein rundum sehenswertes Dorf also.

niewisch2Erwähnenswert ist außerdem, dass Niewisch die DDR-Zeit schadlos überstanden hat - Plattenbauten vom Typ Erfurt sucht man vergebens. Ebenso wie manche Probleme anderer Städte, beispielsweise frierende Obdachlose in Straßengräben. In Niewisch gibt's ja keine Straßengräben.

Dafür kann Niewisch aber stolz von sich behaupten, ein waschechtes Naturschutz-Gebiet sein Eigen zu nennen. Im Oktober 1999 ist das NSG "Uferwiesen bei Niewisch" festgesetzt worden, 6 Hektar, zum Schutz von Otter, Moorfrosch, Neuntöter und kriechendem Sellerie (Quelle: GVBl.II 29/1999 S.603).

niewisch3Und abends, wenn sich die 200 Einwohner ins Gemeinde-Centrum zurückziehen, werden den Camping-, Surf- und Segelfreunden von außerhalb die Dorflegenden erzählt, beispielsweise von der Sache damals im Jahre 1997, als Bauer Klemm eines Tages seinen Augen nicht trauen wollte. Was da auf seiner Weide stand und an seinen Kühen schnupperte, kannte er bisher nur aus dem IKEA-Katalog. Und Förster Ralf Müller wird dann bestätigen, dass es sich bei dem Besucher zweifellos um einen Elch handelte (Quelle: Neue Heimat für die Riesen, Greenpeace-Magazin 4/97).

Ja, in Niewisch, wo sich Kuh und Elch "Gute Nacht" sagen, ist die Welt noch in Ordnung. Leider haben wir - davon abgesehen, dass vermutlich unsere Wurzeln dorthin zurück zu verfolgen sind - mit dem Örtchen Niewisch nichts weiter zu tun. Allerdings können wir anmerken, dass unser amerikanischer Familienzweig, nachdem er von dieser Perle in Brandenburg erstmals erfuhr, mit dem Gedanken gespielt hatte, diesen Ort zu kaufen. Daraus ist nichts geworden - vielleicht hatten sie Angst vor der kriechenden Sellerie.

Text: Steve Niewisch, Fotos: Jessica Niewisch

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